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> tangensfunktion

f(x) = tan(x), Periode π, Asymptoten bei ±π/2
1
tan(45°) = 1

Die Tangensfunktion f(x) = tan(x) ist neben Sinus und Kosinus die dritte grundlegende Winkelfunktion. Ihr Graph sieht ganz anders aus als die Wellen von sin und cos: Er besteht aus unendlich vielen Ästen, die sich alle π (180°) wiederholen und an den Asymptoten ins Unendliche schießen.

Während du den Tangens eines konkreten Winkels mit dem Rechner ausrechnen kannst, geht es hier um die Funktion als Ganzes - ihre Eigenschaften, ihren Graphen und ihr Verhalten.

Kurzfassung: f(x) = tan(x) = sin(x)/cos(x). Periode: π (180°). Wertebereich: ganz ℝ (−∞ bis +∞). Asymptoten bei x = 90° + n·180° (bzw. π/2 + nπ). Punktsymmetrisch zum Ursprung. Nullstellen bei x = n·180° (bzw. nπ).

Definition

f(x) = tan(x) = sin(x) / cos(x)

Der Tangens ist der Quotient aus Sinus und Kosinus. Er ist überall dort definiert, wo der Kosinus nicht null ist. An den Stellen, wo cos(x) = 0 gilt, hat die Tangensfunktion senkrechte Asymptoten.

Eigenschaften auf einen Blick

EigenschaftWert
Definitionsbereichℝ \ {π/2 + nπ | n ∈ ℤ}
Wertebereichℝ (alle reellen Zahlen, −∞ bis +∞)
Periodeπ (180°)
Nullstellenx = nπ (0°, 180°, 360°, ...)
Asymptotenx = π/2 + nπ (90°, 270°, ...)
SymmetriePunktsymmetrisch zum Ursprung (ungerade Funktion)
MonotonieStreng monoton steigend in jedem Ast
Ableitungf'(x) = 1/cos²(x) = 1 + tan²(x)
StammfunktionF(x) = −ln|cos(x)| + C

Der Graph

Der Graph der Tangensfunktion besteht aus unendlich vielen gleichförmigen Ästen. Jeder Ast erstreckt sich zwischen zwei senkrechten Asymptoten und geht von −∞ bis +∞.

Zwischen −90° und 90° (−π/2 und π/2) siehst du den Hauptast: Er startet bei −∞ (knapp rechts von −90°), geht durch den Ursprung (0, 0) und steigt bis +∞ (knapp links von 90°). Alle anderen Äste sind exakte Kopien davon, jeweils um 180° nach rechts verschoben.

Vergleich mit sin und cos: Sinus und Kosinus schwingen sanft zwischen −1 und +1. Der Tangens dagegen kennt keine Grenzen - er nimmt jeden Wert von −∞ bis +∞ an. Das macht ihn in Anwendungen besonders nützlich, wenn unbegrenzte Steigungen auftreten.

Asymptoten

Asymptoten bei x = 90° + n · 180° (n ∈ ℤ)
Im Bogenmaß: x = π/2 + n · π

An diesen Stellen ist cos(x) = 0. Du würdest also durch 0 teilen - das geht nicht. Die Funktion hat dort senkrechte Asymptoten: Der Graph nähert sich der Linie beliebig nahe an, berührt sie aber nie.

Links von der Asymptote geht der Graph gegen +∞, rechts davon startet er bei −∞ (oder umgekehrt - je nach Richtung). Das erkennst du auch an der Vorzeichenregel: Vor 90° ist cos positiv und sin positiv, also ist tan positiv (geht gegen +∞). Nach 90° ist cos negativ, also wird tan negativ (startet bei −∞).

Periode

tan(x + π) = tan(x) bzw. tan(x + 180°) = tan(x)

Die Tangensfunktion wiederholt sich alle π (180°). Das ist halb so lang wie bei Sinus und Kosinus (die haben Periode 2π bzw. 360°). Warum? Weil nach einem halben Kreis sowohl Sinus als auch Kosinus ihr Vorzeichen wechseln - und minus durch minus ergibt plus.

Symmetrie

tan(−x) = −tan(x)

Die Tangensfunktion ist eine ungerade Funktion. Ihr Graph ist punktsymmetrisch zum Ursprung. Wenn du den Graphen um 180° um den Nullpunkt drehst, sieht er genauso aus wie vorher.

Das liegt daran, dass sin ungerade und cos gerade ist: sin(−x)/cos(−x) = −sin(x)/cos(x) = −tan(x).

Wertetabelle

x (Grad)x (Bogenmaß)tan(x)
00
30°π/61/√3 ≈ 0,577
45°π/41
60°π/3√3 ≈ 1,732
89°≈ 1,5533≈ 57,29
90°π/2nicht definiert
91°≈ 1,5882≈ −57,29
120°2π/3−√3 ≈ −1,732
135°3π/4−1
150°5π/6−1/√3 ≈ −0,577
180°π0

Ableitung und Stammfunktion

f(x) = tan(x) → f'(x) = 1/cos²(x) = sec²(x)

Die Ableitung ist immer positiv (weil cos² nie negativ ist). Das bestätigt, was du am Graphen siehst: Die Tangensfunktion steigt in jedem Ast streng monoton an.

Eine alternative Schreibweise der Ableitung:

f'(x) = 1 + tan²(x)

Die Stammfunktion lautet:

∫ tan(x) dx = −ln|cos(x)| + C = ln|sec(x)| + C

Tangensfunktion vs. Tangens berechnen

Die Seite Tangens berechnen zeigt dir, wie du den konkreten Wert tan(α) für einen bestimmten Winkel α im Dreieck ermittelst (Gegenkathete durch Ankathete). Hier geht es um die Funktion f(x) = tan(x) als mathematisches Objekt - mit Graph, Eigenschaften und Ableitungen.

Wozu brauche ich das eigentlich? Und warum muss ich das lernen? Steigung: Jedes Straßenschild mit "12% Steigung" ist Tangens. Rampen: Rollstuhlrampen werden mit Tangens berechnet (max 6% nach Norm). Optik: Brechungswinkel von Licht, Reflexion in Spiegeln. Maschinenbau: Gewindesteigungen, Keilwinkel. Signalverarbeitung: Phasenverschiebung in der Elektrotechnik.

Häufige Fragen

Warum hat die Tangensfunktion Periode π und nicht 2π?

Weil tan(x) = sin(x)/cos(x). Nach einer halben Umdrehung (π) wechseln sowohl Sinus als auch Kosinus ihr Vorzeichen. Minus durch Minus ergibt Plus - der Tangens hat also wieder denselben Wert.

Was passiert an den Asymptoten genau?

An den Asymptoten (bei 90° + n·180°) nähert sich der Kosinus der Null. Der Quotient sin/cos wird dadurch betragsmäßig immer größer. Von links nähert sich die Funktion +∞ oder −∞, von rechts dem jeweils anderen Vorzeichen.

Wofür braucht man die Tangensfunktion?

In der Physik bei Steigungen, Brechung (Brewster-Winkel), Kräftezerlegung. In der Mathematik bei Ableitungen, Integralen und Differentialgleichungen. In der Technik überall wo Winkel und Steigungen eine Rolle spielen.

Was ist der Unterschied zwischen tan(x) und arctan(x)?

arctan(x) ist die Umkehrfunktion von tan(x). Wenn tan(45°) = 1 ist, dann ist arctan(1) = 45°. arctan liefert zu einem Tangenswert den zugehörigen Winkel zurück, eingeschränkt auf den Bereich −90° bis +90°.

> weiter mit chatgpt:
Erkläre mir die Tangensfunktion f(x) = tan(x) ausführlich. Zeichne den Graphen und beschreibe sein Verhalten an den Asymptoten. Zeige mir dann, wie man die Ableitung herleitet (mit der Quotientenregel aus sin/cos). Gib mir danach 5 Aufgaben zu Eigenschaften der Tangensfunktion mit Lösungen.
> für eltern:
Mein Kind hat Schwierigkeiten mit der Tangensfunktion in der Oberstufe. Erkläre mir einfach, was die Tangensfunktion ist und wie ihr Graph aussieht - ohne Fachsprache. Dann zeige mir, wie ich das Konzept der Asymptoten mit einem Alltagsbeispiel (z.B. einem Spiegel oder einer Wand) erklären kann.